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Irgendwas ist immer..

Nach 5 Wochen, in denen ich wieder "auf mich allein gestellt" war, stand der nächste Anpassungstermin in Hannover auf dem Plan.

Ich habe mich sogar auf die Woche (bzw auf die vier Tage) gefreut  - einfach, weil man in Hannover immer das Gefühl hat, Verbesserungen aktiv mitgestalten zu können.

Meine Mutter meinte in der Woche vor dem Termin noch "Dann hast du ja nächste Woche quasi ein bisschen Urlaub."

Ja, ich konnte ein paar Tage aus dem Alltag raus, ich war wieder im Hotel untergebracht - gute Voraussetzungen also.

Eigentlich...

Montagvormittag lief alles normal. 

Ich wurde vom Ingenieur-Taxi abgeholt und nach ein bisschen Suchen haben wir uns in einem Forschungsraum des DHZ eingerichtet. 

Zu Anfang wurde die Einstellung überprüft und vor der Mittagspause war ich etwa eine Stunde bei der Logopädie. 

Nach Mittag stand dann routinemäßig ein Arztgespräch auf dem Plan.

Und ab dem Punkt ging es stetig bergab..

Nachdem ich erzählt hatte, dass der Bereich um das Implantat herum nicht so ganz abheilen wolle, wurde erst so darauf geschaut. Dann wurden in dem betreffenden Bereich die Haare abrasiert, alles desinfiziert und anschließend der Schorf abgezogen.

Anschließend wurde Salbe aufgetragen, zwei Pflaster aufgeklebt und mir eine Ohrenklappe verpasst, bevor es hieß: "Dann holen Sie mal Ihre Sachen aus dem Hotel, Sie werden zur Beobachtung aufgenommen. Das könnte entzündet sein."

Ja, prima!

Nach hektischem Zusammenpacken, wieder-in-die-Klinik-fahren und fünf-Mal-zur-Station-und-wieder-ins-Erdgeschoss war ich schon wieder fertig mit der Welt.

Aber natürlich durfte ich nochmal ins Erdgeschoss..

 

Dienstags tat ich vor allem eines: ich saß und wartete und wartete und saß. 

Morgens wurde kommentarlos das Pflaster abgezogen und alles mit Desinfektionsmitteln getränkt (aua..), bevor genauso kommentarlos ein neues Pflaster aufgeklebt wurde.

Das war's. Morgens und abends habe ich jeweils einmal Antibiotika bekommen und ansonsten irgendwie den Tag vertrödelt.

Kurz: am späten Nachmittag hab ich mich einfach von aller Welt verlassen gefühlt..

 

Am Mittwochmorgen habe ich ein weiteres mal Antibiotika bekommen. Das Pflaster wurde nicht gewechselt, es hieß nur "Das machen wir später".

Kurz vor Mittag bekam ich vom Ingenieur eine Nachricht,  dass einer der Professoren mich demnächst sehen wolle.

Also sind wir kurz nach dem Mittagessen wieder ins Erdgeschoss,  wo es hieß "Einen Moment! Der Professor kommt gleich!"

Zunächst haben noch einige (zukünftige ) Patienten vor uns gewartet; Nach etwa zwei Stunden ist der Professor nochmal kurz im Op verschwunden..

Dann kamen wir an die Reihe.

Es wurde geschaut, gezogen, am Kopf mit der Spritze hantiert  (aua!) - ich weiß nicht, was noch. 

Dann wurde mir ein Druckverband verpasst - "weil die Wunde jetzt wieder offen ist" - und dann durfte ich gehen.

Aber keineswegs nach Hause..

 

Donnerstags hieß es dann bei schönstem Sommerwetter wieder: "Raus dürfen Sie schon - nur nicht so lange, falls ein Arzt kommt!"

Nein, es kam kein Arzt.. außer für 2 Minuten,  um mir zu erzählen,  er käme freitags..

Irgendwann dachte ich mir dann "Und tschüss!" und hab mich, nachdem ich mich auf Station abgemeldet hatte, ins Krankenhauscafé verzogen.

 

Freitags kam dann tatsächlich der besagte Arzt zum Verbandswechsel. Bei ihm tat der ganze Vorgang  (Verband ab, Wunde desinfizieren und mit Jod spülen, neuer Verband drauf) nicht mehr weh. Meine Eltern waren ebenfalls Freitagmorgen gekommen.  "Erst mal bis Sonntag,  um zu wissen, wie es jetzt weitergeht. "

Tja nun.. Als gerade mein Ingenieur zu Besuch war, teilte man uns mit,  dass ich montags wieder operiert werden solle..

 

Der Arzt meinte dann samstags,  dass eigentlich alles gut heile und auch die Entzündung abklinge. Dass wir also vielleicht ohne Operation auskämen. 

Aber wie heißt es doch: Die Hoffnung stirbt zuletzt,  aber sie stirbt..

Sonntagabend schaute ein Professor sich nochmals alles an, bestand aber letztlich auf der für Montag geplanten Op. Um den "inneren" Magneten zu entfernen,  das Implantat etwas zu verschieben und die Wunde nochmal richtig vernähen zu können. 

 

Nachdem ich montags erst mal gehungert hatte ("nüchtern bleiben"), kam ich am frühen Nachmittag in den Op. Fertig war ich wohl gegen 18.30 Uhr - aber ich dachte zu Anfang trotzdem, ich sei über Nacht auf der Intensivstation "eingesperrt" worden. Letztlich war es dann doch nur der Aufwachraum, aus dem man mich gegen 21.30 Uhr entlassen hat..

 

Ich habe ab dem Tag,  an dem ich ins Krankenhaus aufgenommen wurde, 2x täglich fast 1,5l Antibiotikainfusionen bekommen. 

Am Freitag nach der Operation war dann endgültig Feierabend:

Ich hatte vorher bereits mehrere neue Zugänge bekommen  (den neuesten erst Donnerstagmorgen ), war an Armen und Händen ziemlich zerstochen. Und nein, ich bin nicht zimperlich, aber ich habe in den vergangenen Jahren eine regelrechte Nadelphobie entwickelt.

Freitagabend machte dann auch der neue Zugang schon wieder schlapp, nichts ging bzw. lief mehr.

Und weil ich schon seit einigen Tagen genug hatte (aua!), habe ich darum gebeten, man möge mir doch bitte Tabletten geben.

Siehe da, war gar kein Problem..

Am gleichen Tag haben wir auch getestet, ob das AMI noch funktioniert. 

Meine Befürchtung "Wenn irgendwas verschoben wurde was nicht sollte und es jetzt nicht mehr läuft.." hat sich zum Glück nicht bewahrheitet. Alles klappte noch normal, was wohl auch den Ingenieur ziemlich erleichtert hat.

 

Am dritten Montag hieß es "Nein, Siewerden noch nicht entlassen. Sie bleiben noch bis Freitag!".

Auf meine höfliche Nachfrage hin stellte sich heraus, dass dies so geplant gewesen sei, um mich weiter mit Antibiotika zu versorgen.  Dass ich bereits Freitagabend auf Tabletten umgestellt worden war, hat die halbe Belegschaft selbst erst bei der Montagsvisite erfahren.

 

Donnerstags stand dann ein MRT (Magnetresonanztomographie) auf dem Plan.  Eigentlich sollte sowohl mein Kopf,  als auch meine Wirbelsäule untersucht werden - uneigentlich wurde es dann doch in zwei Untersuchungen aufgeteilt.  Nach viel Gerenne am Morgen  ("Sie brauchen einen Druckverband!"... "Gehen Sie noch mal auf Station! "... "Nein, hier ist kein Arzt, gehen Sie wieder ins EG!"...) sollte ich mich dann in die "Röhre" legen.

Als ich gerade halbwegs entspannt lag (keine Schmerzen , keine Spritzen , nur 15 Minuten ruhig liegen), kam schon wieder jemand und sagte, ich sei fertig.

Ich war dann doch ziemlich überrascht: hatte ich vielleicht die Zeit falsch verstanden und es hieß 5 Minuten?  Als ich dann aber mit festem Griff nach draußen geführt und fünfmal gefragt wurde, ob es mir gut gehe, schwante mir schon Übles..

Wie sich herausstellte, war ich wohl einige Minuten theoretisch in Lebensgefahr gewesen.  Das verwendete Untersuchungsgerät hatte eine zu hohe Strahlenstärke (gemessen in Tesla), wodurch die an meinem Gehirn befindlichen Elektroden des AMI überhitzen können.

 

Freitags wurde dann auch meine Wirbelsäule im MRT untersucht (anderes, "sicheres" Gerät). Allerdings musste ich auch diese Messung zweimal abbrechen - nicht wegen Lebensgefahr, sondern wegen starker Kopfschmerzen. 

Und dann durfte ich tatsächlich nach Hause gehen! Gerade als ich anfing, mich "heimisch" zu fühlen..

Mein allgemeines 3-Wochen-Fazit? Ganz einfach: Aua!

 

"Erstens kommt es anders und zweitens weil man denkt."